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"Die Sicherheit unserer Bündnispartner ist auch deutsche Staatsräson"-Vortrag von Ruprecht Polenz vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 3.3.2015 in Münster

Festvortrag zur außenpolitischen Lage in Europa -->

Texte und Videos zu verschiedenen Themen -->

Sicherheitspolitische Beiträge aus Seminaren der Kreisgruppe Münster VdRBw -->

Die ehemaligen Artillerie- und Logistikeinheiten am Standort Dülmen -->

Ehemalige und aktuelle Stationierung der Bundeswehr im Münsterland -->

Karten und Bilder zum Standort Dülmen, zur Bundeswehr und alliierter Partner im Münsterland und Deutschland -->

50 Jahre Bundeswehr im Münsterland


Das Territorialheer


Die Bundeswehr war von Beginn an als Bündnisarmee konzipiert worden. Die Land-, Luft- und Seestreitkräfte der Bundesrepublik waren fest in die Kommandostrukturen des Nordatlantikpaktes eingebunden. Oberhalb der Korpsebene, der beiden Luftwaffenkommandos und des Flottenkommandos oblag die operative Führung den integrierten Bündnisstäben. Erst mit den Veränderungen ab 1989 wurden die nationalen Führungskapazitäten wieder stärker ausgebaut.
Allerdings gab es immer auch Aufgaben, die seit Beginn der Wiederbewaffnung in nationaler Verantwortung verblieben. Dazu gehörten vor allem die Logistik und alle militärischen Aktivitäten auf deutschem Boden zur Sicherstellung der Operationsfreiheit und Unterstützung der NATO-Streitkräfte. Oberhalb der Korpsebene waren Nachschub, Instandsetzung und Sanitätsversorgung eine nationale Angelegenheit, da die Ausrüstung und logistischen Konzepte der Streitkräfte nicht einheitlich waren. Auf dem Boden der Bundesrepublik waren Verkehrswege für die NATO-Streitkräfte zu organisieren, freizuhalten und bei Bedarf wiederherzustellen. Es gab eine Vielzahl von Objekten und Räume militärischer und auch ziviler Natur, die für die Verteidigungsfähigkeit von Bedeutung waren und gesichert werden mussten. Es wurden auch im rückwärtigen Gebiet Kampftruppen benötigt, um gegen Luftlandungen oder durchgebrochene Kräfte vorgehen zu können. Das Fernmeldenetz auf dem Boden der Bundesrepublik musste auch bei Ausfällen des Postnetzes militärisch funktionsfähig bleiben und mit militärischen Kräften überbrückt werden können. Vor allem musste die Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften und den zivilen Behörden organisiert werden. Diese territorialen Aufgaben auf dem Boden der Bundesrepublik waren in nationaler Verantwortung verblieben und wurden vom Territorialheer geleistet. Für diese Aufgabe standen im Frieden aktive Truppen in Stärke von ca. 45.000 Mann zur Verfügung. Dazu gehörte vor allem eine flächendeckende Führungsorganisation (s.u.), Fernmeldekräfte, Feldjäger als militärische Ordnungskräfte, logistische Einheiten und Pioniere für Spezialaufgaben im rückwärtigen Gebiet. Seit den 70er Jahren kamen auch einige aktive Kampfbataillone im Rahmen der neu aufgestellten Heimatschutzkommandos dazu.
Die Masse des Territorialheeres musste im Verteidigungsfall durch Mobilisierung von Reservisten aufgestellt werden. Mit ihnen wären eine große Zahl von Geräteinheiten zum Leben erweckt worden, die die Operationsfreiheit der Bundeswehr und anderer NATO-Streitkräfte sicherstellen sollten. Dazu gehörten z.B. Jägerbataillone, Sicherungskompanien und –züge, Pionierbataillone, Feldjäger- und Fernmeldeeinheiten. Dazu kamen sehr viele Truppenteile der Logistik und Sanitätstruppe wie Transport-, Umschlag-, Depot- und Lazaretteinheiten. Die teilaktiven Heimatschutzkommandos wuchsen in den 80er Jahren durch Integration von Panzer- und Artilleriebataillonen zu mechanisierten Kampfverbänden auf.
Die Liste der verschiedenen Truppenteile und Waffengattungen des Territorialheeres ließe sich beliebig verlängern. Sie waren in der großen Mehrheit nur durch Reservisten lebensfähig. Das Gerät dieser nichtaktiven Einheiten lagerte in Mobilmachungsstützpunkten. Das waren zum Teil besondere militärische Liegenschaften, wie z.B. der Stützpunkt in einer ehemaligen Textilfabrik in Greven, oft befanden sich die Lager aber auch in Kasernen oder Depots. In den Kasernen von Borken , Ahlen und Handorf befanden sich derartige Lagebereiche. Manchmal verwendete man ehemalige Kasernenanlagen wie in Unna-Massen.

Ursprünglich war die territoriale Verteidigung eine Art eigener Teilstreitkraft, die auch einem eigenen Kommando in Bad Godesberg unterstand. Mit der ersten großen Reorganisation der Streitkräfte ab Ende der 60er Jahre wurde diese Komponente als Territorialheer in die Teilstreitkraft Heer eingegliedert.
Zentrale Führungsleiste der territorialen Verteidigung waren von Anfang an die sechs, später fünf Wehrbereichskommandos in den Landeshauptstädten Kiel, Hannover, Düsseldorf, Mainz, Stuttgart und München, die analog zu den Bundesländern organisiert waren. Das Gebiet von NRW war deckungsgleich mit dem Wehrbereichskommando III in Düsseldorf. Unterhalb dieser Ebene gab es als Entsprechung zu den Regierungsbezirken Verteidigungsbezirkskommandos, die wieder eine unterschiedliche Zahl von Verteidigungskreiskommandos führten. Um die Koordination der nationalen Kräfte mit den Landstreitkräften der NATO sicherzustellen, gab es parallel zur Kommandostruktur des Bündnisses eigene Führungsstäbe, die ursprünglich die komplizierte Bezeichnung „deutsche Bevollmächtige“ trugen, dann aber parallel zu den NATO-Heeresgruppen NORTHAG,CENTAG und LANDJUT ab 1969 zu den drei Territorialkommandos NORD, SÜD und SH (Schleswig-Holstein) ausgebaut wurden.
Mit dem Wegfall der unmittelbaren Bedrohung auf deutschem Boden ab 1989 verschmolz das Territorialheer mit den neuen Organisationsstrukturen des Heeres und wurde auf das Gebiet der neuen Länder ausgedehnt. Seine verbleibenden Aufgaben wurden von den fusionierten Divisions- und Wehrbereichkommandos organisiert. Die Territorialkommandos auf höchster nationaler Ebene und die zahlreichen Verteidigungskreiskommandos auf lokaler Ebene fielen weg. Verbindungskommandos in bundeswehrfernen Regionen sollten die territoriale Präsenzlücke so weit wie möglich auffangen. Die Verteidigungsbezirke wurden reduziert, zeitweise mit Heeresbrigaden zusammengelegt, dann aber wieder selbstständig. Die Divisions/Wehrbereichskommandos wurden dagegen ausgebaut.
Die Bundeswehrreform von 2001 machte die Fusion von Wehrbereichen und Divisionen rückgängig. Vier statt sieben Wehrbereiche sollen mit erweiterten Führungsaufgaben und zusätzlich unterstellten Truppen Unterstützungs-aufgaben für die Bundeswehr wahrnehmen. Sie sind Bestandteil der Streitkräftebasis, die nach der Bundeswehrkonzeption von 2001 neben den klassischen Teilstreitkräften formiert wurde, um die verbleibenden territorialen Aufgaben und Unterstützungsaufgaben für alle Teilstreitkräfte zentral wahrzunehmen.
2006 werden nun auch die Verteidigungsbezirkskommandos aufgelöst. Ihre Aufgaben übernimmt ein Landeskommando für jedes Bundesland. Nicht aktive Verbindungskommandos sollen dann eine militärische Repräsentanz in Regierungsbezirken, Kreisen und Gemeinden aufrechterhalten. Mit der Entscheidung von 2004, fast keine nicht aktiven Truppenteile mehr zu unterhalten, werden auch die noch verbliebenen 47 Heimatschutzbataillone zur militärischen Sicherung des Bundesgebietes wegfallen. Diese Entscheidung ist nicht unumstritten, wird aber in die Tat umgesetzt. Künftig sind alle militärischen Aufgaben in und außerhalb Deutschlands von 255.000 aktiven Soldaten zu leisten, die bei Bedarf durch 80.000 Reservisten zur Verstärkung der aktiven Einheiten unterstützt werden können. Der Vergleich zu den ca. 900.000 Reservisten, die in der Zeit vor 1989 die 495.000 aktiven Soldaten verstärkt hätten, unterstreicht den Wandel der letzten 15 Jahre.

Das Münsterland war bis Anfang der 90er Jahr deckungsgleich mit Verteidigungsbezirkskommando 33, das in der Kaserne gegenüber dem Gebäude des I. Korps am Hindenburgplatz seinen Sitz hatte. Ihm unterstanden die Verteidigungskreiskommandos 331 Münster, 333 Rheine , 334 Borken und 335 Recklinghausen


Das Verteidigungsbezirkskommando 33 wurde 1994 aufgelöst und kurzzeitig mit dem Stab der Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen zusammengelegt. Ab 1997 wurde der territoriale Kommandobereich des Münsterland dem Verteidigungsbezirkskommando 35 im ostwestfälischen Augustdorf zugeordnet. Um die Präsenz der Bundeswehr in standortarmen Regionen etwas auszugleichen, entstanden Verbindungskommandos, von denen eines in Recklinghausen seinen Sitz hat.
Über die Stäbe hinaus gab es im alten Territorialheer nur wenige aktive Truppenteile. Dazu gehörten die Instandsetzungskompanie 800 in Borken, die vor allem elektronisches Material zu betreuen hatte, und die seit den 80er Jahren vom I.Korps zum Territorialheer überführte Topographiebatterie 800 in Münster (s.o). Seit den 70er Jahren gehörte auch die Feldjägerkompanie in Handorf, die ebenfalls vorher zum I. Korps (Feldjägerbataillon 190) gehört hatte, als 5./Feldjägerbataillon 730 zum Territorialheer. Sie war und ist für militärpolizeiliche Aufgaben in der Region zuständig. Vor allem sind an aktiven Einheiten die zahlreichen Depots im westlichen Münsterland zu nennen, die dem Versorgungskommando 800 in Lingen unterstanden und die Truppe im täglichen Betrieb und Einsatz unterstützen sollten.
Zu nennen wären die Gerätehauptdepots in Bork, Rheine und Ochtrup, das Geräteteildepot Lette, Munitionshauptdepots in Lünten bei Vreden, Ochtrup, Saerbeck und Olfen mit einem Munitionsteildepot in Hülsten bei Groß-Reken. Hier lagerte ein großer Teil der Material und Munitionsvorräte für das I.Korps und anderer Truppenteile. In Epe wurde ein Sanitätshauptdepot eingerichtet. Diese Einrichtungen wurden weitgehend mit Zivilbeschäftigten unter einer militärischen Führung betreiben. Im Verteidigungsfall waren Reservisten in Depotumschlagzügen und Sicherungszügen für den Betrieb und Schutz dieser Objekte eingeplant.
Für Versorgungsaufgaben im Kriege gab es eine Reihe weiterer nicht aktiver Geräteeinheiten, die durch Einberufung von Reservisten einsatzbereit geworden wären. Dazu gehörte u.a. das nicht aktive Transportbataillon 730 im Mobilmachungsstützpunkt Greven, das die Versorgung der Truppen des Wehrbereiches III in ganz Nordrhein-Westfalen bei einer Mobilisierung zu unterstützen hatte. Als logistisches Rückgrat für die eingeplanten US-Verstärkungen aus Übersee entstand ab Mitte der 80er Jahre das War Host Nation Support-Programm (WHNS), bei dem zahlreiche Reserveeinheiten aufgestellt wurden. In  Handorf und Ochtrup lagerten dafür u.a. die Ausrüstung der nicht aktiven Transportbataillone (WHNS) 431, 432 ,433 und des Nachschubbataillons (Munition) 482. In Borken entstand 1986 das Ausbildungszentrum 3/1 in dem Reservisten dieser Einheiten mit dem für die Bundeswehr nicht typischen Gerät und vertraut gemacht und in die Aufgabe des Umschlages von Betriebsstoff eingewiesen wurden.

Diese Planung für WHNS-Truppenteile des WHNS-Kommandos 3 wurde nicht in allen Details realisiert. (Q.Chronik NschBtl 482)


Das Territorialheer trug auch die Verantwortung für die medizinische Betreuung der Verwundeten. Dazu wurden Reservelazarette als Geräteeinheiten aufgestellt, mit denen militärische und nichtmilitärische Liegenschaften zu Behelfskrankenhäusern umfunktioniert werden konnten. In den letzten Jahren strebte man eine stärkere Kooperation zwischen diesen Einheiten und zivilen Krankenhäusern an. Derartige Reservelazarette gab es z.B. in Münster (Nr. 7301) Rheine (Nr. 7323) und Coesfeld (Nr. 7321).

Zu den territorialen Aufgaben gehört auch die Aufrechterhaltung eines intakten Fernmeldenetzes auf deutschem Boden. Dazu gehörten mobile und stationäre Teile. Aktive Fernmeldeinheiten des Territorialheeres gab es im Münsterland nicht. Sie waren im Rheinland konzentriert. In Borkener Mobilmachungsstützpunkt lagerte nur das nicht aktive Fernmeldebataillon 830 des Territorialkommandos Nord. Das stationäre eigene Fernmeldegrundnetz der Bundeswehr hatte in dieser Region zwei verbunkerte Zentralen (Grundnetzschalt- und Vermittlungsstellen) in Nordkirchen (GSV 32) und Rheda-Wiedenbrück (GSV 36), zu denen jeweils auch ein nichtaktiver Sicherungszug zum Schutz gehörte.
Einer der Schwerpunkte des Territorialheeres war die militärische Sicherung von Objekten und Räumen, die für die Operationsfreiheit der NATO-Truppen von Bedeutung waren. Dazu wurden seit den 60er Jahren Jägerbataillone und Sicherungskompanien aufgestellt, die durch Reservisten aktiviert werden konnten. Mit der Aufstellung des Heimatschutzkommandos 15 in Unna im Jahre 1970 entstand ein mobiler Kampfverband des Territorialheeres, der auch über aktive Teile verfügte. Dazu gehörte u.a. das aus dem alten Panzergrenadierbataillon 192 hervorgegangene Jägerbataillon 441 in Ahlen. Mit dem Ausbau des Kommandos zur Heimatschutzbrigade 53 in den 80er Jahren trug der Verband bis zu seiner Auflösung 1992 den Namen Jägerbataillon 531. Ausgerüstet waren seine Soldaten mit Infanterie- und Panzerabwehrwaffen. Als Transportfahrzeuge dienten Mercedes UNIMOG. Die Heimatschutzbrigade 53 mit weiteren Standorten in Düren und Euskirchen verfügte auch über ältere Kampfpanzer M 48, Mannschaftstransportpanzer M113 und leichte Feldhaubitzen 105 mm. Die Brigade konnte im Kriege als eine bewegliche Verfügungstruppe im Wehrbereich III zum Einsatz gegen Luftlandungen oder durchgebrochene Truppenteile des Warschauer Paktes eingesetzt werden. Parallel zu dieser weitgehend aktiven Brigade gab es seit den 80er Jahren die nichtaktive Heimatschutzbrigade 63 mit gleicher Ausrüstung, deren Panzerbataillon 633 als Geräteeinheit in Ahlen gelagert war.
Zur Stärkung der territorialen Verteidigung erfolgte in den 80er Jahren eine Zusammenfassung der Jägerbataillone der Verteidigungsbezirke und etlicher Sicherungskompanien in 15 Heimatschutzregimenter zu je drei Bataillonen. So entstand im Münsterland das Heimatschutzregiment 73 mit Stabskompanie, Versorgungskompanie 730, Mörserkompanie 730 und den Heimatschutzbataillonen 731 und 732 in Greven sowie 733 in Handorf. Die Heimatschutzbataillone konnten auch, z.T mit eingezogenen Zivilfahrzeugen, beweglich im Raumschutz eingesetzt werden. Die Verteidigungskreiskommandos hatten Sicherungskompanien in unterschiedlicher Zahl zur Verfügung, die weitgehend stationär an Objekte gebunden waren. So gab es die Sicherungskompanien 3311, 3312 (VKK 331 Münster), 3341 (VKK 334 Borken) und 3331, 3332 (VKK 333 Rheine). Um die Reservisten der nicht aktiven Truppen in Übung zu halten und die Einheiten bei Mobilmachungsübungen zu unterstützen verfügte das Territorialheer in den 70er und 80er Jahren über Ausbildungseinrichtungen wie die Jägerausbildungszentren 32/3 und 155, später umbenannt in 53/1 und 53/2, in Borken.

In einem Konflikt auf deutschem Boden hätte auch die Feldjägertruppe verstärkt werden müssen, um ihre Aufgaben im militärischen Ordnungsdienst und bei der Verkehrsführung wahrnehmen zu können. Dazu gab es u.a. das nicht aktive Feldjägerbataillon 733 in Handorf.
Weiterhin hatte das Territorialheer für den Personalersatz Sorge zu tragen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die für militärische Vorbereitungen nicht zu ignorierende Tatsache, dass Soldaten im Kriege getötet oder verwundet werden. Um die militärischen Einheiten einsatzfähig zu erhalten, musste der Ersatz des Personals militärisch organisiert werden. Eine Kriegsverhinderungs-strategie durch Abschreckung erforderte auch derartige, für die öffentliche Diskussion sicher sensible, Maßnahmen zur Vorbereitung einer glaubwürdigen Verteidigungsfähigkeit. Für den unmittelbaren Personalersatz besaßen alle Großverbände eigene Feldersatzbataillone mit mob-beorderten Reservisten, die mit in die Einsatzräume ausrücken konnten. Dazu gehörte z.B. das zum Fernmeldekommando 1 gehörende Feldersatzbataillon 110 in Greven und das Feldersatzbataillon 73 in Ahlen, das der 7.Panzerdivsion unterstellt war.
Für die längerfristige Aufrechterhaltung des Personalersatzes gab es im Territorialheer Wehrleitersatzbataillone, die bei einem Einsatz in den dann von Truppen weitgehend geräumten Kasernen Reservisten aus der Personalreserve ausbilden konnten. So gab es die Wehrleitersatzbataillone 831 und 832 in Münster ( Gerät in ehemalige Fabrikhallen an der Steinfurter Straße) und 827 Rheine. Eine Besonderheit waren auch die Feldausbildungsbataillone, die in Krise und Krieg die wehrpflichtigen Rekruten in den Ausbildungskompanien übernehmen und weiter ausbilden sollten. Dazu gehörte u.a. die Bataillone 842 in Rheine und 843 in Münster.
Mit dem Wegfall der Bedrohung konnte diese auf einen großen Krieg in Mitteleuropa abgestellte Personalersatzorganisation heruntergefahren werden, so dass nur noch das Ersatzbataillon 827 in Handorf im Verteidigungsbezirk 35 übrig blieb.

Diese Karte listet eine Vielzahl von Geräteeinheiten in den Strukturen der 80er Jahre auf, die bei einer Mobilmachung im Münsterland die Einsatzstärke der Bundeswehr aufgestockt hätten. Die Karte findet sich mit höherer Auflösung noch einmal unter "Grafiken  und Fotos"


Die Masse der nichtaktiven Truppen des ehemaligen Territorialheeres im Münsterland wurden bis Mitte der 90er Jahre aufgelöst. Als „Kampftruppe“ blieb vorerst das Heimatschutzbataillon 731 erhalten und wurde als eines von zwei Bataillonen dem Verteidigungsbezirkskommando 35 in Augustdorf unterstellt. Das Material wurde nach Borken verlegt, der Verband wird aber nun auch 2006 aufgelöst.
Die Depots blieben noch bis in die Gegenwart erhalten, da die Materialbestände der Bundeswehr nicht so schnell abgebaut werden können. Hier hat aber jetzt auch eine Rationalisierung eingesetzt und 2012 wird es nur noch das Sanitätsdepot Epe, die Gerätedepots in Ochtrup und Rheine sowie das von den Briten übernommene Munitionsdepot Wulfen geben.
Die aktive Feldjägerkompanie in Handorf ging als 2./Feldjägerbataillon 252 in die Streitkräftebasis über.
An territorialen Vorbereitungen militärischer Schutzmaßnahmen wird es künftig nur nichtaktive Verbindungskommandos in den Regierungsbezirken und Landkreisen geben, die mit Reserveoffizieren- und unteroffizieren besetzt werden.

Bei der Fussballweltmeisterschaft 2006 koordinierten Reserveoffiziere in Vebindungskommandos die Unterstützungsleistungen der Bundeswehr mit den zivilen Führungsstellen.


(Foto:VdRBw)

Im Rahmen des Territorialheeres haben die Reservisten immer eine besondere Rolle gespielt. Nach der Auflösung der Verteidigungskreiskommandos 1994 und der Verteidigungsbezirkskommandos 2006 setzen viele im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. organsisierte ehemalige Wehrpflichtige, Zeit- und Berufssoldaten auf freiwilliger Grundlage  militärisches Engagement vor Ort fort, wo die aktiveTruppe oft nicht mehr präsent sein konnte. Einen kleinen Einblick in diese Aktivitäten im Raum Münster vermitteln folgende Links...

Reservisten im Münsterland    Bezirksgruppe Münster    Kreisgruppe Münster

Übungen von Reservisten und zivilen Hilfsorganisationen 2006 - 2008


Fototeil:

Das Münsterland lag in der Verbindungszone zwischen den  geplanten Gefechtsstreifen der NATO-Korps an der innerdeutschen Grenze und den rückwärtigen Versorgungsräumen und war oft auch in die Übungen der NATO-Truppen bei der Überwindung des Rheins mit Hilfe von Pionierbrücken einbezogen.

Während der Übung "Eisheilige"im Mai 1966 überquerten Bundeswehr und alllierte Truppen mit deutscher Pionierhilfe den Fluss. Die Pioniere der territorialen Verteidigung  (PiRgt 705) betrieben Fähren und schlugen zwei Pontonbrücken. Die Luftwaffen der Alliierten simulierten dabei mit F-84-Jagdbombern  Angriffe auf die Übergangsstellen. Die Marsch- und Bereitstellungsräume lagen am Niederrhein und im westlichen Münsterland.(s.Fotogalerie)

Hier eine ähnliche Übersetzübung in den 80er Jahren. Aus den Kölner Pionierbataillonen 716 und 719 von 1966 war mittlerweile das Pionierbataillon 140 in Emmerich entstanden. Die Hohlplattenelemente (Pontons) für die nicht aktiven Schwimmbrückenbataillone 810 und 811 lagerten im Mobilmachungsstützpunkt Kranenburg bei Kleve.



Im April 1970 erprobte das Pionierregiment 705 (Stab in Wuppertal, später als Pionierkommando 800 in Hilden) in der Übung "Regenbogen" erneut seine Einsatzfähigkeit in der territorialen Verteidigung. Dabei legte das Pipelinepionierbataillon 921 (später 840 bzw. 800) aus Wuppertal eine behelfsmäßige Feldpipeline zur Betriebsstoffversorgung von Bislich nach Coesfeld. In Borken-Hoxfeld errichteten sie ein behelfsmäßiges Feldtanklager.



Im März 1984 übte das Versorgungskommando 800 (Lingen) in der Übung "Grosser Kessel" mit dem Transportbataillon 801 (Köln) und dem mit Reservisten mobil gemachten Nachschubbataillon 805 und den ihm unterstellten Umschlagbetriebszügen 8003 und 8004 im westlichen Münsterland und Emsland  den Umschlag von Munition und Betriebsstoff von der Eisenbahn auf LKW.



Ende  September 1983 probte
das III.US-Korps im Rahmen der Übung "Atlantic Lion" , die Verlegung seiner Soldaten aus den USA nach Europa und die Übernahme von Gerät aus Depots im deutsch-niederländischen Grenzraum. Danach erfolgte  der Aufmarsch über den Rhein in das Übungsgebiet Münsterland, wo die US-Soldaten zusammen mit dem niederländischen I.Korps übten. Die Unterstützung
dieser NATO-Übungen und Koordination mit den deutschen Dienststellen war auch eine Aufgabe des Territorialheres.

In der Heeresstruktur 4 ab 1981 verfügte das Territorialheer auch über schwere Waffen. So erhielten aktive und nichtaktive Panzerbataillone der Heimatschutzbrigaden Kampfpanzer des Typs M 48 (105 mm), die beim II.Korps in Süddeutschland und der 6.Panzergrenadierdivision in Schleswig-Holstein nach Einführung des Leopard 2 freigeworden waren.
Im Münsterland befand sich das nicht aktive Panzerbataillon 633, dessen
ausgediente M 48 im Rahmen seiner Auflösung 1992  in Ahlen verladen wurden.


Bild: Loyal 1/92



Text: Jürgen Dreifke