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"Die Sicherheit unserer Bündnispartner ist auch deutsche Staatsräson"-Vortrag von Ruprecht Polenz vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 3.3.2015 in Münster

Festvortrag zur außenpolitischen Lage in Europa -->

Texte und Videos zu verschiedenen Themen -->

Sicherheitspolitische Beiträge aus Seminaren der Kreisgruppe Münster VdRBw -->

Die ehemaligen Artillerie- und Logistikeinheiten am Standort Dülmen -->

Ehemalige und aktuelle Stationierung der Bundeswehr im Münsterland -->

Karten und Bilder zum Standort Dülmen, zur Bundeswehr und alliierter Partner im Münsterland und Deutschland -->

50 Jahre Bundeswehr im Münsterland


Luftwaffe
                
Die Geschichte der Luftwaffe im Münsterland  war für die Öffentlichkeit vor allem an zwei Standorten präsent: der Manfred-von-Richthofen -Kaserne in Münster, Heimat für eine Reihe von Stäben, und der Fliegerhorst Hopsten bei Rheine. Weniger im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses standen die beiden Flugabwehrraketenbatterien in Datteln und Ennigerloh-Westkirchen. Die rot--weißen Masten einiger Fernmeldeeinrichtungen auf erhöhten Gelände-punkten wurden von den meisten Passanten ohnehin kaum  mit der blauen Teilstreitkraft in Verbindung gebracht. Luftwaffe verbindet sich nun einmal mit den Fliegern und ihren Maschinen, auch wenn in Wirklichkeit die Masse der Luftwaffensoldaten in bodengebundenen Einheiten Dienst tut.
In der Geschichte der Bundesluftwaffe  war Münster schon sehr früh ein zentraler Führungsstandort. Im Vorfeld der Wiederbewaffnung ging man bei der Erarbeitung eines Verteidigungskonzepts für die Bundesrepublik von zwei Verteidigungsschwerpunkten im Norden und Süden aus, die weitgehend autark sein sollten. Dem entsprach die NATO-Gliederung von zwei Heeres-gruppen (der Northern Army Group und der Central Army Group) und zwei taktischen Luftflotten ( der 2. und 4. ATAF) . Bei der Bundesluftwaffe entsprach man dieser Struktur durch Bildung von zwei weitgehend unabhängigen Luftwaffengruppen, die mit allem ausgestattet waren, „was so zu einer Luftwaffe gehörte“.
Das Hauptquartier der Luftwaffengruppe Nord lag seit 1957 in Münster, das südliche Pendant dazu in Karlsruhe. Schon ein Jahr zuvor war das „Kommando der Fliegerhorste Nord“ in die Manfred-von-Richthofen-Kaserne eingezogen. Noch im gleichen Jahr wurde dieser Stab in „Kommando der Luftbodenorganisation Nord“ umbenannt. Es unterstand der Luftwaffengruppe Nord. Aus ihm sollte später unter  verschiedenen Namen die zentrale Kommandostelle für die Luftwaffenunterstützung im Norden zurückgehen. Der Luftwaffengruppe Nord unterstanden in den 60er Jahren vier Luftwaffendivisionen, deren Geschwader, Regimenter und Bataillone räumlich oder  von ihrer Funktion her zusammenhing:
·    3. Luftwaffendivision Münster
·    4. Luftwaffendivision Aurich
·    6.Luftwaffendivision Münster
·    7. Luftwaffendivision Schleswig
Der 3. Luftwaffendivision, deren Hauptquartier ebenfalls in Münster beheimatet war, unterstanden überwiegend Einsatzverbände in Nordrhein-Westfalen . Das waren in der Gliederung von 1963:
·    Jagdbombergeschwader 31 Nörvenich,
·    Jagdbombergeschwader 36 Rheine,
·    Flugkörpergeschwader 2 (Pershing I)  Wuppertal/Nörvenich,
·    Lufttransportgeschwader 63 Celle,
·    Flugabwehrraketenregiment 13 (Nike) Soest
·    Fernmelderegiment 33 (Radar) Goch.
Der 4. Luftwaffendivision in Aurich unterstanden ähnliche Verbände in Niedersachsen, die 7.Luftwaffendivision (Schleswig) führte die Luftwaffe in Schleswig-Holstein und war ein gemischter Verband von Einsatz- und Unterstützungskräften.
Als dritter Luftwaffenstab in Münster war schließlich die 6. Luftwaffendivision zu nennen, welche die Versorgungs-, Fernmelde- und Ausbildungsregimenter im Norden führte und auf das frühere Kommando Luftbodenorganisation zurückging. Das waren...
·    Versorgungsregiment 5 Essen
·    Versorgungsregiment 6 Oldenburg
·    Fernmelderegiment 11 Osnabrück
·    Fernmelderegiment 71 (Aufklärung) Osnabrück
·    Ausbildungsregiment 2 Budel/NL
·    Ausbildungsregiment 5 Goslar.
·    Luftwaffenpionierkompanie 2 Diepholz
·    Luftwaffenmusikkorps 3 Münster

Gegen Ende des Jahrzehnts fand die erste große Reorganisation der Bundeswehr statt, von der die Luftwaffe besonders betroffen war. Die Luftwaffengruppen Nord und Süd wurden aufgelöst. Die 7.Divison war schon 1968 aufgelöst und auf die anderen Divisionen verteilt worden . Die  3. Luftwaffendivision verlegte ihren Stab von Münster nach Kalkar am Niederrhein und bezog dort einen unterirdischen Gefechtstand, von dem aus die Luftangriffsverbände (Jagdbomber, Pershing-Flugkörper) im Norden der Bundesrepublik geführt wurden. Kalkar wurde und ist noch heute und wohl auch in der Zukunft ein zentraler Standort der taktischen Einsatzführung der deutschen Luftstreitkräfte. Hier ist seit 2005 auch das nationale Luftlagezentrum eingebunden, das bei der Abwehr von Terrorbedrohungen aus der Luft eine zentrale Rolle hat. 
An die frühere Präsenz der 3. Luftwaffendivision erinnert vom Namen her noch das seit 1956 in der Manfred-von-Richthofen-Kaserne beheimatete Luftwaffenmusikkorps 3. Dieses Musikkorps ist seit seiner Aufstellung ununterbrochen am Standort und Öffentlichkeit präsent. 
Die Radar- und Flugabwehrregimenter wurden 1969 der 4.Luftwaffendivision in Aurich unterstellt, welche die Verantwortung für die Luftverteidigung im Norden übernahm. Das Lufttransportgeschwader 63 in Celle war schon 1967 nach Hohn bei Rendsburg  verlegt worden.

Für die Lufttransporteinheiten der Bundeswehr entstand in Münster ein eigener Stab, das Lufttransportkommando, das die Lufttransporte für die Bundeswehr koordinierte und mit der unterstellten SAR-Leitstelle in Goch auch die Luftrettung steuerte. Dieser Auftrag entsprach der internationalen Verpflichtung der Bundesrepublik, bei Luftunfällen fliegende Kräfte zur Suche und Rettung zur Verfügung zu halten. Dabei entwickelte sich die Nebenaufgabe der Beteiligung der Bundeswehr an zivilen Rettungsflügen in der öffentlichen Wahrnehmung zur zentralen Rolle der Hubschrauber mit der SAR-Signatur auf orangefarbenem Hintergrund.  Das Kommando führte die Lufttransportgeschwader 61 Landsberg, 62 Wunstorf, 63 (neu) Hohn, das Hubschraubertransportgeschwader 64 Ahlhorn und die Flugbereitschaft der Bundeswehr, die vor allem durch Regierungsflüge bekannt wurde.
Es wird oft übersehen, dass die Düsenverkehrsmaschinen der Flugbereitschaft auch viele Flugaufträge für die Truppe zu leisten haben. Dazu gehören zum Beispiel Transporte von Soldaten zu Ausbildungseinrichtungen in Nordamerika.

An die Stelle der 6. Luftwaffendivision in Münster trat 1970 die Luftwaffenunterstützungsgruppe Nord, die alle Versorgungseinheiten, Fernmelde- und Ausbildungseinheiten  zwischen Eifel und dänischer Grenze übernahm:
·    Stab Luftwaffenunterstützungsgruppe Nord Münster  mit Stabskompanie und Sanitätsstaffel
·    Materialkontrollzentrum Nord in Diepholz
·    Luftwaffenversorgungsbereich 2 Diepholz mit Teilen in Mechernich
·    Luftwaffenversorgungsregiment 5 Essen-Kupferdreh
·    Luftwaffenversorgungsregiment 6 Oldenburg
·    Luftwaffenversorgungsregiment 7 Husum
·    Technische Schule der Luftwaffe 3 Fassberg
·    Fernmelderegiment 11 Osnabrück (I. u II. Abteilung Fernmeldeverbindungsdienst , III. Abteilung Flugsicherung, alle Einheiten und Stäbe mit verschiedenen, z.T. wechselnden Standorten)
·    Fernmelderegiment 71 Osnabrück mit Aufklärungseinheiten im 
      Norden
·    Ausbildungsregiment 1 Pinneberg
·    Ausbildungsregiment 2 Budel/NL
·    Ausbildungsregiment 5 Goslar
·    Luftwaffenmusikkorps 3 Münster und 4 Hamburg
·    Luftwaffenpionierlehrkompanie 2 Diepholz
Die Ausbildungs- und Fernmelderegimenter waren nur als Zwischenlösung truppendienstlich unterstellt  bis die neuen zentralen Luftwaffenkommandos für Ausbildung und Führungsunterstützung aufgestellt waren.

Der Stab der Luftwaffenunterstützungsgruppe Nord in Münster führte damit eine Vielzahl von Unterstützungsverbänden, die über die ganze Nordhälfte der Bundesrepublik verteilt waren. Analog dazu war die Einsatzunterstützung der  Luftwaffe im Süden in gleiche Strukturen umgegliedert worden (Luftwaffenunterstützungsgruppe Süd, Karlsruhe) .

Im Münsterland selber waren von den unterstellten Einheiten dieses Stabes nur einige Fernmeldeteile stationiert. Sie gehörten zur I.Abteilung des Osnabrücker Fernmelderegiments 11 und waren in der Kaserne am Pulverschuppen hinter dem Kanal  untergebracht . Es handelte sich  um die 1.Kompanie der Fernmeldeabteilung 11. Sie hatte die Fernmeldeeinrichtungen in der Richthofenkaserne zu betreiben. Später kam auch der Abteilungsstab dazu, während der Stab der II. Abteilung von Bad Eilsen nach Kalkar zog. Zu den beiden Abteilungen des Fernmelderegiments 11 gehörten neben mobilen Fernmeldeverbindungskompanien und Fernmeldebetriebseinheiten vor allem die norddeutschen Relaisstellen des bundesweiten Richtfunknetzes der Luftwaffe, das im Laufe der Jahre immer dichter geknüpft wurde. In unserem Raum entstanden abgesetzte Fernmeldestellen mit einer kleinen Besatzung in Seppenrade, Groß-Reken,  Bocholt, Ahaus-Wüllen, Wettringen, Iburg und Beckum. Diese Objekte sind bis über die Jahrtausendwende hinaus bemannt betrieben worden, ihr Ersatz durch neue automatische und mobile Fernmeldesysteme ist aber im Gang.


Erneute Reorganisationen der 80er Jahre änderten diese Grundstruktur nur in Teilbereichen. Die Ausbildungsregimenter und Flugsicherungsteile wurden dem Luftwaffenausbildungskommando bzw. dem Flugsicherungsregiment 81 unterstellt. Das Fernmelderegiment 71 wurde als Verband für Aufklärung und elektronische Kampfführung endgültig dem zentralen Führungsdienst-kommando in Köln-Wahn zugeordnet.  Das Versorgungsregiment 5 in Essen wurde aufgelöst und ging in dem neu aufgestellten Versorgungsregiment 8 in Mechernich auf. Das Versorgungsregiment 5 hatte in den 60er Jahren zeitweise einige Nachschubteileinheiten in Gelsenkirchen-Buer (Berger Feld) und Heeren-Werwe(Unna) an der Peripherie des Münsterlandes  untergebracht, die dann aber zum Hauptstandort Essen-Kupferdreh verlegten.

Mit der politisch-strategischen Neuorientierung nach 1989 entfiel die Notwendigkeit, in der militärischen Führungsorganisation dezentrale  gegen Ausfälle mehrfach ausgelegte Strukturen vorzuhalten. Unter dem Vorzeichen der Einsparungen wurde die beiden Luftwaffenunterstützungsgruppen  bei der Luftwaffenführung in Köln-Wahn in den 90er Jahren in einem Kommando zusammengeführt und nach der Jahrtausendwende mit dem Luftwaffenamt zu einer einzigen Organisationssäule  fusioniert. Etliche Teileinheiten der Versorgung und Führung mussten ab 2002 an die neue Streitkräftebasis abgegeben werden.
Das Münsterland war von diesen letzten Veränderungen nach dem Ende der Luftwaffenunterstützungsgruppe Nord im Jahre 1994 ohnehin schon nicht mehr betroffen. Lediglich die Fernmeldeteileinheiten der in den 80er Jahren zum Fernmeldesektor 112 umbenannten Fernmeldeabteilung  waren noch in der Richthofenkaserne und in den Relaisstellen im Lande präsent.
Die Kaserne am Pulverschuppen steht schon eine Weile leer.  Der Stab des Fernmelderegiments 11 hatte in den frühen 90er Jahren Osnabrück Richtung Visselhövede in der Lüneburger Heide verlassen, wo der Verband nach 2002 im Fernmeldebataillon 381 der Streitkräftebasis aufging.

So sind  heute in der Richthofen-Kaserne nur noch das Lufttransportkommando und das Luftwaffenmusikkorps 3 präsent. Das Lufttransportkommando  mit den Auslands- und Hilfseinsätzen der Bundeswehr ist immer wieder Gegenstand der Medienberichterstattung. Gegen Ende des Jahrzehnts wird auch dieser letzte Stab der Luftwaffe in Münster durch das europäische Lufttransportkommando  überflüssig werden.
 
                                   
Luftwaffe im Münsterland, das war für die meisten Kenner und interessierten Laien vor allem das  Jagdbombergeschwader 36 in Rheine, das bezeichnenderweise seit 1985 den Beinamen „Westfalen“ führte.
Aus der Verbandsnummer  36 des Jagdbombergeschwaders in Rheine wird ersichtlich, dass es als sechster und letzter Jagdbomberverband der Luftwaffe in Dienst gestellt wurde. Es begann 1961 mit der Aufstellung der ersten Staffel auf dem Fliegerhorst Nörvenich durch das erste Jagdbombergeschwader der Luftwaffe, das JaboG 31, das damals seine F –84 Düsenjets durch die neue     F-104 ersetzte und an das Geschwader 36 abgab. Der junge Verband bezog im Herbst 1961 den neuen  Fliegerhorst Hopsten nordöstlich von Rheine. 
Das Jagdbombergeschwader 36 flog den Jagdbomber F-84 „Thunderstreak“ bis 1966. Dann war auch dort die Umrüstung auf den Starfighter abgeschlossen. Die „Thunderstreak“ war in der NATO einer der Standardjagdbomber der 50er Jahre. Sie erreichte ca. 1000 km/h und besaß einen Aktionsradius von 1290 km, was sie auch als Kernwaffenträger geeignet machte. Sie konnte ca. 2,7 t Waffen mitführen. Sie hatte auch eine gewisse Eignung als Jäger, allerdings war ihre lange Startrollstrecke eine Problem. Das Geschwader setzte seine 50 Maschinen in zwei Staffeln als konventionelle  Jagdbomber ein, die feindliche Luftwaffenanlagen oder Heeresverbände bekämpfen konnten, um die Luftwaffen des Warschauer Paktes in einem Kriege zu lähmen und die eigenen Heeresverbände zu entlasten.


Diese F 84  "Thunderstreak" steht heute mit dem Wappen des Geschwaders im Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow

Die ab 1962 aufgestellte zweite fliegende Staffel war als Ausbildungsstaffel vorgesehen, um die von der fliegerischen Ausbildung aus den USA zurückgekehrten Piloten für den europäischen Einsatzraum zu schulen. Damit erhielt das Jagdbombergeschwader 36  von Anfang an neben dem taktischen Auftrag auch die Funktion eines Schulverbandes, die dem Verband bis heute erhalten blieb.  Zu diesem Zweck erhielt die 2.Staffel damals auch 8 doppelsitzige Düsentrainer T 33, die sie bis 1968 flog.

Der Fliegerhorst Hopsten war auf dem Areal eines ehemaligen Einsatzflugplatzes der Wehrmacht im Osten des Ortes Dreierwalde ab 1960 neu eingerichtet worden und wurde nach NATO-Musterkriterien errichtet. Das bedeutete auch, dass die Unterkünfte des Geschwader in ca. 15 km Entfernung von der Einsatzbasis im Stadtgebiet Rheine in der neuen Wever-Kaserne bezogen wurden. Diese weiträumige Dislozierung war eine Folge des damals nuklear bestimmten Kriegsbildes und bedeutete einen erheblichen Fahraufwand. Die Infrastruktur der Basis, zu der auch eine Munitionsniederlage in Uthuisen gehörte, entstand natürlich nicht von heute auf morgen. In den ersten Jahren standen die Maschinen noch in einer „Flightline“ auf den Betonpisten wie auf einem Feldflugplatz und wurden im Freien gewartet und aufgerüstet. Dies war der technischen Zuverlässigkeit natürlich nicht immer zuträglich. Nach und nach entstanden aber feste Gebäude und Hallen für Betrieb und Technik, und nach den Erfahrungen des Nahostkrieges 1967und der Abkehr von nuklearen Kriegsbildern errichtete man Schutzbauten zur Unterbringung der Maschinen. Es handelte sich um halbrunde  erdbewehrte Betondächer unter denen die Maschinen  vor konventioneller Waffenwirkung geschützt werden konnten. Den Abschluss der Infrastrukturmaßnahmen bildete der neue Tower von 1999. Dies erfolgte  zu einem Zeitpunkt, als die Zukunft des Geschwader schon  nicht mehr als gesichert bezeichnet werden konnte.

Der seit 1965 im Geschwader geflogene  „Starfighter“ war ursprünglich vor allem als nuklearfähiger Jagdbomber und schneller und steigfähiger Abfangjäger, der feindliche Nuklearbomber abwehren sollte, beschafft worden. Als er in den Luftwaffengeschwadern Einzug hielt, begann in der NATO-Strategie als  Folge der Kuba-Krise von 1962 aber schon  eine allmähliche Abkehr von ausschließlich nuklearen Optionen. Für einen konventionellen Luftbodeneinsatz war die „104“ aufgrund begrenzter Nutzlast und Wendigkeit  keine optimale Lösung und musste erst schrittweise mit zusätzlicher Ausrüstung an diese Rolle angepasst werden. Immerhin hatte sie aufgrund ihrer aerodynamischen Auslegung eine günstige Fluglage im Tiefflug und einen relativ geringen Treibstoffverbrauch, was der Reichweite zugute kam. Zusammen mit ihrer Geschwindigkeit und Steigleistung boten diese Merkmale gute Voraussetzung für eine Überwindung der gegnerischen Luftverteidigung. Ihre primäre Rolle blieb aber letztlich die eines Kernwaffenträgers. So wurde ab 1967/68 auch in Rheine der nukleare Einsatz mit nuklearen Bomben vorbereitet. Allerdings war nur die erste Staffel für einen nuklearen Einsatz eingeplant. Der nukleare Einsatzauftrag kostete erhebliche Ressourcen an zusätzlichem Personal. Deshalb wurde aus Ersparnisgründen durch eine Entscheidung des Verteidigungsministers Schmidt dieser nukleare Auftrag für die erste Staffel 1972 gestrichen und das gesamte Geschwader nur noch für konventionelle Jagdbombereinsätze und Gefechtsfeldjagd vorgesehen.   Es gab von 1968 -72 eine US-Einheit (3 Detachment, 50th Tactical Fighter Wing), die Atombonben im Depot Uithuisenin Verwahrung hatte. Am südlichen Ende der Startbahn standen F 104-G im besonders gesicherten QRA-Bereich mit nuklearer Bestückung in ständiger Startbereitschaft.

Die Hintergründe der Absturzserie, die im Laufe der Einsatzdauer der F-104 G in der ersten Linie zwischen 1961 und 1987 den Verlust von ca. 250 der 916 deutschen Maschinen bedeutete, können an dieser Stelle nicht erörtert werden. Die offiziellen Chroniken des Geschwaders klammern dies Thema aus. Die Heftreihe “F-40 - Flugzeuge der Bundeswehr“ meldet in ihrer  Nr. 38 für das Geschwader insgesamt neun „Starfighter“-Unfälle, bei denen vier Piloten ums Leben kamen. Einige tödliche Unfälle und Zwischenfälle hatte es auch mit dem Vorgängermodell, der „Thunderstreak“ , gegeben, die aber nie die öffentliche Resonanz wie die „Starfighter“-Unfälle gefunden hatten.


Diese ehemalige F 104 G des JaboG 36 steht heute auf einem Sockel bei den Heeresfliegern in der Theodor-Blank-Kaserne in Bentlage

Als die Luftwaffe für die 70er Jahre ein taktisches Kampfflugzeug  als Ergänzung des Einsatzbestandes und Zwischenlösung vor der eigentlichen Einführung eines neu konzipierten Nachfolgers für die F-104 plante, fiel die Wahl auf die bewährte  F-4 „Phantom“, die in 175 Exemplaren F-4F als Jäger, Jagdbomber und mit 88 RF4E als Aufklärer in nichtnuklearen Rollen fliegen sollte. Die F-4F war eine etwas leichtere, durch aerodynamische Modifikationen (Vorflügel) wendigere Version des US-Musters. Wenn die letzten Maschinen um 2010 aus der Luftwaffe ausscheiden, wird diese „Zwischenlösung“  weit über drei Jahrzehnte im Einsatzbestand gewesen sein.
Es war folgerichtig, dass zu den sechs F-4-Verbänden auch das Jagdbombergeschwader 36 in Rheine-Hopsten gehörte, das wohl nicht mehr so durch die Nuklearrolle bestimmt war.  Die ersten F-4-F trafen Ende 1974 in Hopsten ein. 1976 war die Umrüstung auf das zweistrahlige Muster abgeschlossen. Die F-4F war für eine Doppelrolle als Jagdbomber und Jäger  (Tactical Fighter) vorgesehen, wobei die Besatzungen in Kooperation mit dem Jagdgeschwader 71 in Wittmund/Ostfriesland jetzt auch für Luftverteidigungsaufgaben geschult wurden. Im Unterschied zum „Starfighter“ hatte die F-4F eine zweiköpfige Besatzung. Der Pilot wurde bei Navigation und Waffeneinsatz von einem Waffensystemoffizier („Kampfbeobachter“ ) unterstützt. War die Jägerrolle ursprünglich eine Zweitaufgabe, verschoben sich die Prioritäten des Verbandes immer mehr zur Luftverteidigung, so dass der Verband 1991 in Jagdgeschwader 72 umbenannt und die Luftangriffsrolle aus dem Auftrag und dem Ausbildungsprogramm des Verbandes gestrichen.

1981 war als dritte Staffel eine zentrale Ausbildungseinheit (ZAE) für den oben beschriebenen Europäisierungsauftrag der Pilotenschulung aufgestellt worden. Zehn Jahre später fusionierte diese Einrichtung wieder mit der zweiten Staffel. 1985 erhielt das Geschwader den Beinamen „Westfalen“ und dokumentierte auf diese Weise seine Einbindung in die Region als ein Teil der Tradition, die  schon seit 1963 im Westfalenross des Geschwaderwappens zum Ausdruck gebracht wurde.

Die Grundorganisation des Geschwaders blieb in diesen Jahren erhalten und bestand aus drei bataillonsstarken Verbänden, die nach Luftwaffentradition als Gruppe bezeichnet werden.
Es gab eine Fliegende Gruppe, die den Einsatzbetrieb mit Maschinen und Besatzungen zu verantworten hatte, wozu neben den zwei, später drei fliegenden Staffeln auch noch die Flugbetriebsstaffel mit  Flugsicherung, Fernmeldezug  und Fliegerhorstfeuerwehr gehörte.
Als zahlenmäßig stärkste Gruppe stellte die Technische Gruppe die Wartung und Ausrüstung der Maschinen sicher. Sie war der eigentliche „Besitzer“ der Maschine und wies der fliegenden Gruppe die Maschinen für ihre Einsätze zu. Die Gruppe besaß eine Instandsetzungsstaffel für Reparaturen, eine Wartungsstaffel für die Überprüfung der Maschinen vor und nach den Einsätzen, eine Waffen- und Elektronikstaffel für die auftragsgemäße Bestückung der Maschinen und eine Nachschubstaffel für die Sicherstellung der Geschwaderversorgung.
Der eigentliche „Hausherr“ auf der Basis und in der Wever-Kaserne war die Fliegerhorstgruppe, welche die Infrastruktur zu schützen, zu betreiben und den Geschwaderbetrieb zu unterstützen hatte.
Sie verfügte an aktive Einheiten über eine Sicherungsstaffel zur Sicherung und Verteidigung des Fliegerhorstes mit der Unteroffiziersausbildung als Nebenaufgabe, eine Kraftfahrzeugstaffel für Transport von Soldaten und Material inklusive Bergung von Flugzeugen und eine Sanitätsstaffel. Dazu kam eine Reihe von nichtaktiven mit Reservisten zu bemannende Einheiten für den Kriegsfall. Dazu gehörten eine Startbahninstandsetzungsstaffel, zwei weitere Sicherungsstaffeln und eine Flugabwehrstaffel zur Bedienung der in den ab 1973 eingeführten 20-mm-Doppelflak. In den 80er/90er  Jahren wäre dieser Objektschutz durch mobile Flugabwehrsysteme „Roland“ einer Flugabwehrraketengruppe aus dem ostfriesischen Wangerland verstärkt worden.
Aus diesen Strukturen wird ersichtlich, dass die Fliegerhorstgruppe nicht nur für die allgemeine tägliche Einsatzunterstützung des Geschwaderbetriebes unverzichtbar war, sondern vor allem im Kriege eine zentrale Aufgabe bei der Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Platzes gehabt hätte. Ihre Friedensstärke wäre dann durch Einberufung von Reservisten  von 340 auf 1200 Soldaten aufgewachsen. Weil die Bedrohungsanalysen die Gefährdungsrisiken nach 1991 immer  niedriger einstuften und die Haushaltsmittel immer knapper wurden,  legte man die Fliegerhorstgruppen im Zuge der umfassenden Reorganisation und Rationalisierung der Bundeswehr ab 2001 mit den technischen Gruppen zusammen.
Die Öffentlichkeit hatte bei Flugtagen 1986,1996 und 2001  und bei Gruppenbesuchen wiederholt die Gelegenheit, einen Blick in den Geschwaderbetrieb hinter den Zäunen zu werfen

Die Jahre nach 1989 bedeuteten auch für das Westfalengeschwader in Rheine eine Zeit des Umbruchs. Auch wenn die Wahrung der Lufthoheit über ganz Deutschland weiter Jagdflugzeuge erforderte, mussten die Kräfte reduziert und gleichzeitig neue Einheiten im Osten aufgebaut werden. Der Aufbau des Jagdgeschwaders 73 in Laage bei Rostock war deshalb  mit dem Abzug eines Phantom-Verbandes aus dem Westen verbunden. Dabei kamen nur der 1991 in Jagdgeschwader 72 umbenannte Verband in Rheine und sein Schwesterverband, das Jagdbombergeschwader 35  im pfälzischen Sobernheim 35 in Frage. Die Tatsache, dass die Modernisierungsmaßnahmen in Hopsten gerade abgeschlossen waren, gab dann den Ausschlag bei der Entscheidung zugunsten des westfälischen Standortes . So war das  Geschwader  noch mal für ein Jahrzehnt „gerettet“.

In den 90er Jahren erfolgte eine umfassende Modernisierung der „Phantom“, die ihre Einsatzdauer als Jagdflugzeug über das Jahrtausend hinaus verlängern sollte, weil sich die Einführung des neuen europäischen Jagdflugzeuges  immer weiter verzögerte.  Im Prinzip war die F-4F  mit ihren infrarotgelenkten Raketen vom  Typ„Sidewinder“  trotz aller Kampfwertsteigerungsmaßnahmen hinsichtlich der Reichweite ihrer Flugkörper waffentechnisch nicht über die „Starfighter“-Ära hinausgekommen. Sie stellte nur  ein von den Flugleistungen her  besseres „Arbeitspferd“ für konventionelle Gefechtseinsätze dar und war mit zwei Triebwerken auch sicherer. Hinsichtlich der Flugeigenschaften gab es in Ost und West mittlerweile überlegene Maschinen. Durch Nachrüstung eines neuen Radargerätes und eine  Bewaffnung mit neuen Flugkörpern mittlerer Reichweite sollte ab 1993 die fliegerisch  bewährten „Phantom“ in die Lage versetzt werden, Flugzeuge aus der Distanz mit ihren Raketen bekämpfen zu können, ohne einen Luftkampf führen zu müssen. Die Maschinen erhielten damals die ebenso kritische wie liebevolle Bewertung  „Luftverteidigungsdiesel“, die Zuverlässigkeit und fliegerische Grenzen gleichermaßen beschrieb. Für die Sicherung des Luftraums in der entspannten Lage nach 1990  war diese Lösung sicherlich vertretbar. In einem Kampfeinsatz hätte sie möglicherweise  problematisch sein können. Eine derartige Situation hätte sich im Kosovo-Krieg 1998 ergeben können, an dem die Luftwaffe mit Tornado-Jagdbombern beteiligt war.   Immerhin erwies sich das fliegerische Können der Besatzungen als ein Kapital, dass diese Maschinen bei Übungen immer noch gut abschneiden ließ.

Nach einem Jahrzehnt immer wieder nachgeschobener Bundeswehrreduktionen fiel dann 2001 die Entscheidung, dass Geschwader in Rheine doch aufzulösen. Die Hoffnung, dass Hopsten den Zuschlag für die Stationierung eines Eurofighterverbandes anstelle des Nörvenicher Fliegerhorstes erhalten würde, hatte sich nicht erfüllt. Die neue Infrastruktur, geringere  Fluglärmwiderstände und die Nähe des Luftraumübungsgebietes Nordsee hatten die Planer im Verteidigungsministerium nicht überzeugen können. Der Umstand, dass das Waffensystem F-4 noch bis ca. 2010 bei den Jagdgeschwadern im Luftwaffeneinsatz gehalten werden muss, verlängert den Betrieb der Basis Hopsten bis 2005/2006 durch die Ausbildungskomponente des Verbandes, der als „Fluglehrgruppe F 4 F“ noch ein paar Jahre die Schulung der   F-4 Besatzungen für europäische Verhältnisse sicherstellte.  Die Auflösung des Geschwaders, das zeitweise 1600 Soldaten und 470 Zivilangestellte beschäftigte, wurde von weiten Teilen der Öffentlichkeit bedauerte, was die in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder geäußerten Beschwerden über Fluglärm vergessen ließ.  Am 15.12..2005 erfolgte der "Fly-out" der letzten Phantom und das Ende der militärischen Nutzung der Basis zwischen Hopsten und Dreierwalde war eingeleitet.


Nach einer Luftfahrtschau in Berlin war diese F 4 der Fluglehrgruppe  in Gatow geblieben und ist in der Ausstellungshalle "50 Jahre Luftwaffe" zu besichtigen.

In einem Einsatzfall wäre Hopsten übrigens nicht die einzige militärische Einsatzbasis geblieben. Wie im ganzen Bundesgebiet gab es Vorbereitungen, Autobahnteilstücke als Ausweichflugplätze militärisch zu nutzen. Aus diesem Grunde waren Abschnitte bei Dülmen, Greven und Ladbergen mit durchgehender Betondecke ohne Grünstreifen in der Mitte ausgelegt und mit schnell demontierbaren Mittelleitplanken versehen. Am Anfang und Ende gab es jeweils einen Abstell- und Wendeplatz mit Zufahrten zum normalen Straßennetz, die heute immer noch als Rastplätze dienen. Bei Dülmen wurde sogar Ende der 80er Jahre noch mit einer (als Gewerbeobjekt getarnten) Pumpstation im Ortsteil Rorup ein Anschluss an das Piplinenetz der NATO eingerichtet                     

Ehemaliger Notlandeplatz auf der A 43 zwischen Nottuln und Dülmen. Der ehemals durchbetonierte Mittelstreifen wurde mittlerweile begrünt (Foto 8/2007).             

                                                            
Weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit, für die Luftverteidigungsdoktrin der NATO aber von zentraler Bedeutung, waren die bodengebundenen Kräfte der Luftverteidigung, die sich seit den frühen 60er Jahren auf die Flugabwehrraketensysteme NIKE und HAWK stützte.
Beide Systeme wurden in zwei Riegeln in einer Kette von festen Flugabwehrstellungen von der Nordsee bis zu den Alpen eingesetzt. So durchzog der westliche Riegel von Ostfriesland Richtung Frankfurt und Bodensee das Münsterland. In diesem Riegel wurden NIKE-Raketen gegen Ziele in mittleren und große Höhen von der US-Army, der deutschen, niederländischen, belgischen und anfangs auch der französischen  Luftwaffe betrieben. Das nördliche Münsterland gehörte zu den niederländischen Sektoren, im Südmünsterland begannen mit der 1. und 4. Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 21 in Westkirchen und Datteln die deutschen Sektoren der  Bataillone 21, 22 und 23 zwischen Ruhrgebiet und Frankfurt. Westlich davon  schlossen sich rechts des Rheins die belgische Batterien im Rheinland an. Die USA deckten den Stationierungsbereich ihrer Truppen im Südwesten ab. Die Franzosen schlossen bis zu ihrem Rückzug 1966 die südliche Flanke. Im Norden bildeten drei deutsche Nike-Bataillone den Abschluss im Raum Oldenburg und Ostfriesland. Der zweite multinationale Luftverteidigungsriegel verlief parallel dazu im Osten und wurde von HAWK-Raketen gegen Tiefflieger gebildet.

Die Systeme standen in ununterbrochener Einsatzbereitschaft. Ein Teil der NIKE-Raketen war unter Beteiligung der  US-Streitkräfte nuklear bestückt. Diese nukleare Option sollte die Zusammenfassung großer „roter“ Luftarmeen unter Risiko halten und in den treibstoffverzehrenden Tiefflug zwingen. Damit wollten die westlichen Luftwaffen vor einem Großangriff von Luftstreitkräften des Warschauer Paktes  auf Westeuropa abschrecken.
Die nukleare Bestückung hatte den Umstand einer Stationierung von zwei kleinen Detachments amerikanischer Soldaten in Westkirchen und Datteln zur Folge, die mit der Außerdienststellung der NIKE in der zweiten Hälfte der 80er Jahre endete.
Die Stationierung der „FlaRak“, wie dieser Sektor der Luftwaffe im Abkürzungsjargon der Truppe genannt wurde, begann in unserer Region um 1960  mit zwei Übungsstellungen in Bocholt und Gelsenkirchen-Buer. Im Bocholter Stadtwaldlager und auf dem dazugehörenden Übungsplatz Hohenhorster Berge und auf dem Berger-Feld in Buer (heute Standort von Schalke-Arena und Parkstadion) baute das gerade aufgestellte Flugabwehrraketenbataillon 21 provisorische Abschussgestelle und Radaranlagen auf, um Luftwaffensoldaten an diesen Systemen auszubilden zu können und eine erste Einsatzbereitschaft zu erstellen. Auch andere NIKE-Bataillone nutzten bis etwas 1962 diese temporären Objekte für Aufstellung und Ausbildung. Über das Stadtwaldlager in Bocholt gibt es einen  Artikel unter dem Link Bundeswehr in Bocholt
In den Jahren 1962/3 wurden die nach NATO-Normen erstellten  Einsatzstellungen für Abschussrampen und Radargeräte bei Ennigerloh-Westkirchen und Datteln (Jammertal)  von der  1. und 4./FlaRakBtl  21 bezogen. Erdwälle und Bunker sollten die Besatzungen und Einrichtungen so weit wie möglich schützen, weil die NIKE-Raketen nicht für einen mobilen Gefechtseinsatz ausgelegt waren. Kurze Zeit später folgten die Unterkunftsbereiche der „Münsterlandkaserne“ in Westkirchen und „Haardkaserne“ in Datteln. Diese Einheiten gehörten neben zwei weiteren Batterien in Möhnesee (2./21) und Holzwickede (3./21) zum Flugabwehrraketenbataillon 21  in Erwitte, dessen Stab, Versorgungseinheiten zusammen mit der  2./21 ab 1971 in Möhnesee-Echtrop beheimatet waren. Das Bataillon unterstand dem  Stab des Flugabwehrraketenregiments 13 in Soest.
Zeitgleich bezog auch die niederländische Luftwaffe mit den NIKE-Staffeln 119 (Handorf), 221 (Raesfeld-Erle), 220 (Schöppingen) und 223 (Rheine) ihre Objekte im Münsterland und Umgebung (Staffeln 118 Vörden, 120 Borgholzhausen, 121 Bad Essen, 222 Nordhorn)

Über zwei Jahrzehnte währte der Dauereinsatz der FlaRak-Batterien.    Die Standorte wurden Ende der 70er Jahre durch die großen olivgrünen Hauben der neuen Hochleistungserfassungs-radare auf dem Finkenberg bei Ennigerloh und dem Stimberg bei Oer-Erkenschwick deutlich in der Landschaft sichtbar. Diese Ausstattung gehörten zu einer letzten Modernisierungphase des Nike-Systems mit der die Elektronik bis 1984 auf einen neueren Stand gebracht und an einigen ausgewählten Standorten die nukleare Sicherheit durch Baumaßnahmen verbessert wurde. So entstanden in Westkirchen neue Wachttürme mit einem zentralen Betonturm, der noch heute die verlassene Stellung markiert.
Die kleinen Garnisonen am Ortsrand von Westkirchen und Datteln fügten sich ungeachtet aller vorher geäußerten Vorbehalte gegen die Raketen schnell in das gesellschaftliche Leben ihrer Gemeinden ein. Der stationäre Einsatzbetrieb in den Stelllungen stellte keine große Belastung für die Umgebung dar. Geschossen wurde bei den jährlichen Übungsschießen der NATO auf Kreta. In den 80er Jahre kam Unruhe auf, als die nukleare Bestückung der NIKE die Anlagen zum Ziel von Demonstrationen und Blockaden der Friedensbewegung machte. In den Jahren zuvor war dieser Sachverhalt weitgehend verdrängt worden.

           

In den letzten Monaten vor ihrer Außerdienststellung im Dezember 1986  präsentierten sich die Nike-Hercules der 4./FlaRakBtl 21 noch einmal auf den Startgestellen der drei Abschussgruppen in ihrer Einsatzstellung am Rande der Haard nördlich von Oer-Erkenschwick (Q.Standortchronik Datteln,1998).

Die Umrüstung auf das Nachfolgesystem PATRIOT in den Jahren 1987-89 beendete die nukleare Rolle der Luftverteidigung, stellte die Standorte aber nicht in Frage. Umfangreiche Baumaßnahmen passten die Abschussbereiche an das neue System an und verwandelte die ehemaligen Radarbereiche in Fernmeldeeinrichtungen. Jeweils  acht mit einem Betontor bewehrte Ringwälle zum Schutz der Startfahrzeuge gruppierten sich um einen Radarwall, auf dem das multifunktionale mobile Radargerät aufgefahren war. Die PATRIOT waren erheblich leistungsfähiger und ermöglichten eine konventionelle Bekämpfung vieler Flugziele. Mit den politischen Veränderungen entfiel die Notwendigkeit des 24-Stunden-Bereitschaftsdienstes. Damit sank allerdings auch die Mannschaftsstärke und Stärke der kleinen Garnisonen auf etwa 100 Soldaten. In NIKE-Zeiten hatte eine Batterie noch bis zu 300 Soldaten erfordert (u. a. auch wegen der nuklearen Sicherungsanforderungen) . Die Außerdienststellung der NIKE hatte in den Jahren 1983 –1987  auch den Abzug der verbliebenen alliierten Flugabwehreinheiten aus Erle (seit 1977 von Belgien betrieben), Rheine und Schöppingen zu Folge.

                             

Anfang der 90er Jahre war die Flugabwehrstellung der 4.Batterie/FlaRakGrp 21  in der Haard für den Betrieb des Systems Patriot einsatzbereit. Zu den Umbauten gehörte ein Radarwall für das mobile Mulifunktionsradar und acht mit Ringwällen und Betoneingängen geschützte Abschussflächen für die Startfahrzeuge (Aufnahme 1992). Die gleichen Umbauten waren auch bei der 1.Batterie in Westkirchen erfolgt.

Die frei gewordenen Unterkunftskapazitäten boten zeitweise auch Raum für Flüchtlinge und Zuwanderer. In Datteln fanden auch Angehörige einer Sportfördergruppe und einer NATO-Fernmeldeeinrichtung aus Senden ihre Unterbringung.  Die Anfang der 90er Jahre geplante Zusammenführung des mittlerweile auf 6 Batterien angewachsenen Flugabwehrraketenverbandes 21 an den Standorten Möhnesee, Holzwickede und Lennestadt wurde  mangels fehlender Mittel für Baumaßnahmen immer weiter hinausgeschoben, so dass die beiden nun zu Staffeln umgewidmeten Einheiten ein weiteres Jahrzehnt an ihren münsterländischen Standorten verblieben. Der Abschied erfolgte dann 2002 und seitdem warten die Stellungsbereiche und Kasernen auf einen neuen, nichtmilitärischen Nutzer.  Die ab 2002 erfolgte Zusammenführung des Verbandes in Möhnesee und Arolsen sollte sich auch nur als kurzes Zwischenspiel herausstellen, denn der 2004 verkündete Bundeswehrplan führte zur Auflösung der Flugabwehrraketengruppe 21 in Westfalen  und ihrer Neuaufstellung im mecklenburgischen Sanitz. Damit endete auch dies Kapitel der Luftwaffe im Münsterland.

Zur Luftwaffe in Rheine informiert sehr ausführlich:

www.etnp.de

Zum Thema Flugabwehrraketentruppe empfiehlt sich die Seite von Rolf D.Goerigk:

www.nikesystem.de

Text: Jürgen Dreifke

jd@bw-duelmen.de